Kurzbiografie

Berthold Rittberger ist Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Politik an der LMU München. In seiner Forschung befasst er sich mit Fragen europäischer Politik und Integration sowie dem Wandel der liberalen internationalen Ordnung.

Vor seinem Wechsel an die LMU im Jahr 2011 war er von 2007 bis 2011 Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Politikwissenschaft und Zeitgeschichte an der Universität Mannheim. Von 2005 bis 2007 hatte er eine Juniorprofessur für Vergleichende Politikwissenschaft an der Technischen Universität Kaiserslautern (heute RPTU) inne. Als Postdoc arbeitete er am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) sowie als Prize Research Fellow (PRF) am Nuffield College in Oxford. Er studierte Verwaltungswissenschaft an der Universität Konstanz und erwarb 1999 seinen MSc in European Politics an der London School of Economics and Political Science. Seinen DPhil erlangte er 2003 an der Universität Oxford. Gefördert wurde er während seines Doktorats vom Nuffield College, dem DAAD, sowie dem ESRC (Economic and Social Research Council). Seine Dissertation „Building Europe's Parliament. Democratic Representation Beyond the Nation State“ erschien 2005 bei Oxford University Press und wurde mit dem Preis für die beste Dissertation der European Union Studies Association (EUSA) ausgezeichnet.

Rittbergers Forschungsergebnisse sind in zahlreichen (und je nachdem wen man fragt: mehr oder weniger international führenden) Fachzeitschriften erschienen. Einige seiner wichtigeren Arbeiten erschienen im European Journal of Political Research (zur Repräsentation von Frauen im Europäischen Parlament, mit Jessica Fortin-Rittberger), in European Union Politics (zu Einstellungen gegenüber der EU-Erweiterung, mit Jürgen Maier – und das lange bevor Experimente zum unverzichtbaren Methodenstandard avancierten), in West European Politics (zu EU-Agenturen, mit Arndt Wonka), in Regulation & Governance (zu Netzwerken und Agenturen, mit Michael Blauberger), im Journal of Common Market Studies (zum Thema „Governance,“ mit Beate Kohlers), im Journal of European Public Policy (zu verschiedenen Aspekten der EU-Integration) sowie im Global Studies Quarterly (zur Anfechtung der Liberalen Internationalen Ordnung, u.a. mit Christan Kreuder-Sonnen). Daneben hat er mehrere Bücher verfasst, darunter die Monographie „European Blame Games: Where does the Buck Stop?“ (mit Tim Heinkelmann-Wild, Bernhard Zangl und Lisa Kriegmair, OUP 2024) sowie „Integration and Differentiation in the European Union: Theory and Policies“ (mit Dirk Leuffen und Frank Schimmelfennig, Palgrave 2022). Da sich die EU so rasch wandelt, wird sein (leider noch nicht zum Bestseller avanciertes) Sachbuch „Die Europäische Union. Politik, Institutionen, Krisen" (C.H. Beck, 2021) bald einer Aktualisierung bedürfen.

Zu seinem Engagement in der akademischen Selbstverwaltung zählen Tätigkeiten als Dekan und Prodekan der Fakultät für Sozialwissenschaften an der Universität Mannheim (wo er unter anderem die Position eines hauptamtlichen Dekans einführte und damit seine eigene überflüssig machte), sowie als Direktor des Geschwister-Scholl-Instituts an der LMU München, wo seine Amtszeit mit der Covid-19-Pandemie zusammenfiel. Er ist gewähltes Mitglied des Fachkollegiums Sozialwissenschaften der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Derzeit ist er Editor-in-Chief des Journal of European Public Policy, nachdem er die Zeitschrift über ein Jahrzehnt lang gemeinsam mit ihrem Gründer Jeremy Richardson als Co-Herausgeber betreut hatte.

Aktuelle Forschungsinteressen

Unterminieren sich liberale Ordnungen selbst?

Warum geraten liberal Ordnungen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene zunehmend unter Druck? In meiner Forschung gehe ich der Frage nach, inwiefern die normativen und institutionellen Grundlagen liberaler Ordnungen neben stabilisierenden auch destabilisierende Wirkungen erzeugen können. Ist die Krise liberaler Ordnungen hausgemacht?

Wer trägt die Schuld an EU-Politikversagen?

Schuldzuweisungen an Politiker/innen gelten oft als unerfreulicher Nebeneffekt von Politik, sind aber für demokratische Rechenschaftspflicht von zentraler Bedeutung. Mich interessiert, wie Verantwortung in komplexen Mehrebenensystemen wie der Europäischen Union zugeschrieben wird, in denen Zuständigkeiten auf zahlreiche Akteure und Ebenen verteilt sind. Treffen Schuldzuweisungen „die richtigen,“ also diejenigen, die tatsächlich verantwortlich sind?

„De-Risking“ als Imperativ in der neuen geopolitischen Welt?

Vor dem Hintergrund, dass Staaten zunehmend ökonomische Abhängigkeitsverhältnisse ausnutzen, um sich außen- und innenpolitische Vorteile zu verschaffen, ist „De-Risking" zu einem Schlagwort in politischen Debatten geworden. Doch wissen wir noch wenig darüber, wie verwundbare Akteure – die „weaponizees of interdependence" – auf die „weaponizers of interdependence" reagieren, welche Strategien sie zur Verringerung ihrer Verwundbarkeit verfolgen und wie ihre jeweilige Strategiewahl systematisch erklärt werden kann.

Publikationen

Für eine umfassende Liste konsultieren Sie bitte meine Google-Scholar- oder ResearchGate-Profile.

Aktuelle Veröffentlichungen (letzte 5 Jahre)

  • Knill, C., Kruck, A., Rittberger, B., Seelkopf, L., & Zangl, B. (2026). Failing through success? How stable liberal orders become self-destabilising. Journal of European Public Policy, 1-27.
  • Rittberger, B., Yoon, S. (2026). Integration. In: Stockemer, D., Sawyer, S., Gagnon, A. (eds) IPSA Companion to Political Science. Springer, Cham. https://doi.org/10.1007/978-3-032-06918-4_153-1
  • Bandemer, S., Daßler, B., Rittberger, B., Weiss, M., & Will, K. (2025). Politics of de-risking: How the EU confronts vulnerabilities in critical digital infrastructures. Journal of European Public Policy, 1-29.
  • Daßler, B., Bandemer, S., Rittberger, B., & Weiß, M. (2025). Navigating regime complexes in turbulent times—the EU’s interaction with other international organizations in crises. Politische Vierteljahresschrift, 66(3), 599-621.
  • Goddard, S., Krebs, R., Kreuder-Sonnen, C., & Rittberger, B. (2025). Liberalism doomed the liberal international order a less legalistic system would help protect democracies. Foreign Affairs Magazine, 28.
  • Hofmann, S. et al. (2025). Introducing organizational (dis) entanglements: how scholarship on regime complexity and power dynamics helps make sense of international order-making. International Studies Review, 27(1), viaf002.
  • Rittberger, B., Ruffing, E., Weinrich, M., & Wonka, A. (2024). The competence‐control dilemma and the institutional design of European Union agencies. Governance, 37(4), 1413-1431.
  • Heinkelmann-Wild, T., Rittberger, B., Zangl, B., & Kriegmair, L. (2024). European Blame Games: Where does the buck stop?. Oxford University Press.
    Ruffing, E., Weinrich, M., Rittberger, B., & Wonka, A. (2024). The European administrative space over time: Mapping the formal independence of EU agencies. Regulation & Governance, 18(3), 740-760.
  • Heinkelmann-Wild, T., Rittberger, B., Zangl, B., Kriegmair, L. Varieties of European Blame Games In Flinders, M., Dimova, G., Hinterleitner, M., Rhodes, R. A., & Weaver, R. K. (Eds.). (2024). The politics and governance of blame. Oxford University Press.
  • Goddard, S. E., Krebs, R. R., Kreuder-Sonnen, C., & Rittberger, B. (2024). Contestation in a world of liberal orders. Global Studies Quarterly, 4(2), ksae026.
    Heinkelmann-Wild, T., Zangl, B., Rittberger, B., & Kriegmair, L. (2023). Blame shifting and blame obfuscation: The blame avoidance effects of delegation in the European Union. European Journal of Political Research, 62(1), 221-238.
  • Rittberger, B. (2023). Democratic control and legitimacy in the evolving EU economic governance framework. (Report Nr. PE 733.742). European Parliament.https://www.europarl.europa.eu/thinktank/en/document/IPOL_STU(2023)733742
  • Rittberger, B. (2022). The European Union: crisis politics and integration. In Handbook on Global Governance and Regionalism (pp. 183-201). Edward Elgar Publishing.
    Kreuder-Sonnen, C., & Rittberger, B. (2022). The LIO’s growing democracy gap: An endogenous source of polity contestation. Journal of international relations and development, 26(1), 61.
  • Kriegmair, L., Rittberger, B., Zangl, B., & Heinkelmann-Wild, T. (2022). Dolce far niente? Non-compliance and blame avoidance in the EU. West European Politics, 45(5), 1153-1174.
  • Leuffen, D., Rittberger, B., & Schimmelfennig, F. (2022). Integration and differentiation in the European Union. Springer International Publishing.